Die Macher der Energiewende
Auf der Baustelle der Ostküstenleitung zeigt sich eindrücklich, was möglich ist, wenn eine junge Bauleitung, erfahrene Profis und eine starke Technik Hand in Hand arbeiten. Hier wird die Energiewende nicht nur geplant – sie wird auch gebaut.
«Die Ostküstenleitung ist ein Kernprojekt der Energiewende», erklärt Veit Pärschke, Bauleiter der LTB Leitungsbau GmbH. Die «OKL» – so lautet die Abkürzung für die Ostküstenleitung – gehört zu den grossen Nord-Süd-Trassen in Schleswig-Holstein des Netzbetreibers TenneT Germany. Neben der Westküstenleitung und der Mittelachse wird sie künftig den grünen Strom aus den Windparks der Ostsee in den Süden transportieren – und u.a. über das Baltic Cable Deutschland mit dem europäischen Netz verbinden.
Für Pärschke und sein Team war die bisher grösste Herausforderung die Inbetriebnahme von fünf Provisorien der bestehenden 220- und 110-kV-Leitungen im Sommer 2024. «Das war technisch und organisatorisch ein Kraftakt», so der Bauleiter. Die letzten Seilzugarbeiten im Bauabschnitt 1 zwischen Henstedt-Ulzburg und Lübeck wurden im Oktober abgeschlossen. Das Seilzugteam arbeitet bereits an der Ostküstenleitung BA3. Gleichzeitig ist das Team ins neue Baubüro für den Bauabschnitt 3 nach Oldenburg in Holstein umgezogen.
Besonders stolz ist Pärschke auf die Zusammenarbeit im Team OKL: «Lernende, Monteure, Angestellte, Bauleitende, Projektleitende und Auftraggeber bauen die Trasse gemeinsam. Das macht unsere Arbeit aus.» Das zeigt sich auch im Teamgeist auf der Baustelle: Klare Ansagen, echte Verlässlichkeit – und zwischendurch auch mal ein Burger vom Foodtruck.
Unvergesslich bleiben auch die kalten minus 10 Grad und Schnee im Januar 2024: «Für Norddeutschland waren diese Bedingungen aussergewöhnlich – für unsere Kolleginnen und Kollegen in der Schweiz wohl eher Alltag», sagt Pärschke mit einem Schmunzeln.
Der Bauleiter freut sich auf die nächsten Abschnitte – nicht nur aus technischer Sicht: «Als Dresdner und alter Seebär freue ich mich, dass wir bald direkt an der Ostsee arbeiten dürfen. Der Ausblick wird einzigartig.»
Diese Baustelle hatte beachtliche Dimensionen: Auf rund 22 Kilometern Leitungslänge wurden 51 Masten mit Höhen von bis zu 91 Metern errichtet. Verbaut wurden rund 3’600 Tonnen Stahl, etwa 6’600 Tonnen Komponenten für Provisorien, fast 100’000 Tonnen Granodiorit für den Wege- und Fundamentbau sowie rund 528 Kilometer Leiterseile.
Unvermeidbar, aber kurzfristig, greifen die Bauarbeiten in die Natur ein, räumt Pärschke ein. «Aber durch den Transport von erneuerbarer Energie leisten wir einen wichtigen Beitrag, Lebensräume insgesamt nachhaltiger und lebenswerter zu gestalten.»
So verbindet die Ostküstenleitung nicht nur Stromnetze, sondern auch Menschen und Regionen – ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie die Energiewende in der Praxis gebaut wird.
